Bayern / Ammersee

Notker Zikeli

Ein Multitalent mit Begeisterung und Leidenschaft

Wie kam‘s zum „Kulturstadl“?
Meine Frau und ich hatten schon lange den Plan, auf einem alten Bauernhof einen Kulturbetrieb zu starten. Nach einem Jahr Suche, etlichen Jahren Planung und Genehmigungsverfahren, Überwindung zahlreicher Hürden – Brandschutz, Parkplätze, Baupannen u.v.m., war es dann im April 2013 soweit und das Kultur-Stadl Café war geboren. Ich habe quasi am gleichen Tag den Hammer aus der Hand gelegt und die Kaffeemaschine angeworfen.

Stimmt es, dass Du Musik studiert hast?
Ja, in der Tat! 5 Jahre lang Saxophon am Richard Strauß Konservatorium in München. Eine sehr schöne Zeit!

Warum bist Du nicht Berufsmusiker geworden?
Nun, anfangs habe ich schon als Berufsmusiker gearbeitet. Aber wie das so ist, dann kommen Kinder, Familie… Das ist dann schwer zu stemmen, wenn du nicht in der ersten Liga dabei bist und ganz ehrlich, schwierig ist es oft selbst dann. Außerdem war ich schlecht darin, mich selbst zu vermarkten. Im Kultur-Stadl habe ich als Veranstalter quasi die Seiten gewechselt und profitiere dabei natürlich von meinen Erfahrungen.

Welche Musik gefällt Dir am besten? Gibt es „no gos“?
Als ich 15 war, begann mein Herz für den Jazz zu schlagen und dabei ist es im Wesentlichen geblieben. Privat höre ich auch gerne klassische Musik, sagen wir mal bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Für unser Programm erweitere ich gerne diese Kriterien; entscheidend sind für mich zwei Faktoren: Herz und Seele! No go? Ja! Der Mainstream von Antenne und Co.; No heart, no soul!

Welche bekannten Leute haben denn schon im Kultur-Stadl gespielt?
Der weltweit bekannteste Musiker bei mir war sicherlich Don Menza. Ich schätze, nahezu jeder interessierte Jazzmusiker hat schon mal von ihm gehört. Nach Youtube-Klickzahlen sicherlich die Neo-Pop Band „Carrousel“ aus der französisch-sprachigen Schweiz. Dann waren auch nationale Größen wie Liederjan, die Fraunhofer Saitenmusik und der Bayrisch-Diatonische Jodelwahnsinn schon bei uns im Stadl.

Wie schafft man es, solche Leute zu kriegen, wo ihr doch nur wenige Plätze habt? Rechnet sich das? Für euch bzw. für die Musiker?
Grundsätzlich wollen Musiker ja spielen, da ist die Gage manchmal auch eher zweitrangig, dafür kriegen sie eine Rundum-Versorgung und zur Not auch mal ein Bett mit Frühstück. Die meisten schätzen unsere „Wohnzimmer-Atmosphäre“ und das Familiäre in unserem Stadl. Für uns sind die Veranstaltungen natürlich ein Gewinn, da wir hier am Land ja nicht gerade Straßenkundschaft zu Gesicht bekommen. Damit die Leute hier rauskommen, musst du da schon was bieten.

Was gibt’s im Kultur-Stadl außer Musik?
Zuerst mal einen sehr köstlichen Cappuccino aus dem Kaffee der Murnauer Kaffeerösterei. Jeden Tag eine kleine, feine Auswahl an frischen Tagesgerichten, Sonntagsbrunch einmal im Monat und regelmäßig kulinarische Themen-Abende, sowie den romantischen Rahmen für private Feiern. Kulturell außer Musik häufig Kabarett, Lesungen, unseren Weihnachtsmarkt und eine „Sommerakademie“ mit Kursen, Vorträgen und mehr.

Kommst Du als Wirt noch dazu, Musik zu machen?
Ich habe einen vollen Nachmittag mit Saxophonschülern, da bleib ich selber halbwegs fit, probe zweimal im Monat mit einer etablierten Münchener Big Band und spiele gelegentlich ein paar Gigs. Ehrlich gesagt, zu wenig für meinen Geschmack, aber der Stadl fordert mich momentan auch zu stark und ist eben Nummer 1, zumindest in meiner jetzigen Lebensphase.

Woher kommt die Liebe zum Kochen?
Mit zwei berufstätigen Eltern und als Nachzügler meiner Geschwister hab ich schon ziemlich früh angefangen zu kochen und ein gewisses Talent an den Tag gelegt. In meiner Studienzeit sah ich das Kochen dann als eine Art Notwehr gegen das, was es so in der Mensa gab, und es gab eine Phase in der wir uns unter Freunden gerne zum Essen einluden, was dann oft in einer Art Competition ausartete. Dass ich wirklich ein Händchen dafür habe und wie sich herausstellte auch größere Gesellschaften bekochen kann, habe ich allerdings erst im Kultur-Stadl herausgefunden. Ob man es glaubt oder nicht, Kochen hat für mich auch was mit Musik zu tun. Schließlich geht es bei beiden auch um Komposition und Improvisation.

Was steht als nächstes an, worauf können sich die Gäste freuen – musikalisch und kulinarisch?
Ich freue mich schon riesig auf den Auftritt von Marian Petrescu, einen sensationellen Pianisten aus Rumänien, der am 16.Mai 2019 mit einer erstklassigen Band vorbeikommt: Wauwau Adler an der Gitarre, Joel Locher am Bass und Guido May, seines Zeichens Weltklassedrummer!, Unser Kulturprogramm steht bis Sommer 2019, mit einem, wie ich finde, sehr feinen und vielfältigen Programm. Unsere „Kulinarischen Ausflüge“ werden wir intensivieren, das Brunch-Angebot erweitern und den Mittwoch Abend für interessante Vorträge und feines Essen öffnen.

Pläne für die Zukunft?
Wir planen gerade den Bau zweier Bed & Breakfast-Appartements im Kultur-Stadl-Stil. Die Genehmigungsmühlen mahlen schon kräftig, aber ich sag jetzt mal lieber nichts zu einem konkreten Eröffnungstermin. Dann steht vor allem das Delegieren verschiedener Arbeitsbereiche auf dem Programm, um meiner Familie, mir und der Musik mehr von einem großen Luxus zu gönnen. Nämlich Zeit!

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