Echt.Besonders. Interview mit Marion Rozanczyc - Jägerin und leidenschaftliche Tierschützerin und Initiatorin der Kitzrettung im Blauen Land
SERVUS Marion! Wer bist du und wofür schlägt dein Herz?
Servus! Ich bin Marion Rozanczyc. Mein Herz schlägt für den respektvollen Umgang mit Natur und Wildtieren. Gemeinsam mit dem Tierschutzverein Garmisch-Partenkirchen setze ich mich ehrenamtlich dafür ein, Wildtiere vor dem Mähtod oder schweren Verletzungen zu bewahren – Hand in Hand mit Landwirten und Jägern.
Warum ist gerade die Zeit der Mahd so gefährlich für Wildtiere?
Im Frühjahr werden Wiesen gemäht – genau dann, wenn Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter besonders schutzlos sind. Ihr natürlicher Instinkt sagt ihnen: Bleib liegen, egal was passiert. Sie fliehen nicht, selbst wenn ein Traktor naht. Zusätzlich haben sie in den ersten Lebenswochen keinen Eigengeruch. Das bedeutet: Weder Hunde noch Menschen können sie wittern. Klassisches Absuchen reicht einfach nicht aus.
Und genau hier kommt ihr ins Spiel?
Ganz genau. Mit modernster Drohnen-Technik und Wärmebildkamera können wir die Tiere sichtbar machen, bevor es zu spät ist. Unser Drohnenpilot fliegt in den frühen Morgenstunden systematisch die zu mähenden Flächen ab. Sobald wir einen Wärmepunkt entdecken, werden unsere Helfer punktgenau dorthin geleitet.
Was passiert, wenn ihr ein Kitz findet?
Dann ist höchste Sorgfalt gefragt. Die Helfer sichern das Kitz mit geruchlosen Handschuhen und viel Gras in einer speziellen Box. Ganz wichtig: niemals mit bloßen Händen anfassen oder gar kuscheln – sonst nimmt die Mutter ihr Junges nicht mehr an. Die Box wird schattig und sicher abgestellt, markiert und nach der Mahd holen wir das Kitz sofort wieder heraus.
Das klingt nach perfektem Zusammenspiel. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägern ab?
Nur gemeinsam funktioniert es. Der Landwirt meldet frühzeitig die Flächen an, die gemäht werden sollen – idealerweise mehrere Tage im Voraus. Gerade bei uns in der Region, etwa rund um Murnau, müssen wir auch Flugeinschränkungen berücksichtigen. Wichtig ist außerdem: Der zuständige Jäger oder Jagdpächter muss der Kitzrettung zustimmen. Am Abend vor der Mahd wird alles final abgestimmt – Flächen, Treffpunkt, Uhrzeit.
Warum ist der frühe Morgen so entscheidend?
Je kühler es ist, desto besser hebt sich die Körperwärme der Tiere von der Umgebung ab. In diesen Stunden ist die Wärmebildkamera am effektivsten – und damit die Chance am größten, Leben zu retten.
Nach dem Sichern der Tiere muss alles schnell gehen, oder?
Ja. Die Kitze dürfen maximal etwa zwei Stunden in der Box bleiben, da sie regelmäßig gesäugt werden müssen. Deshalb ist der Landwirt gefragt, so schnell wie möglich zu mähen. Sollte es zu Verzögerungen kommen, können sogenannte Vergrämungsgeräte eingesetzt werden, damit die Geiß kein weiteres Kitz in die Wiese legt.
Und dann kommt der schönste Moment?
Absolut. Sobald die Mahd abgeschlossen ist, lassen wir die Kitze wieder frei. Zu sehen, wie sie unbeschadet zurück zur Mutter finden – das ist unbezahlbar. Das sind Gänsehautmomente. Und übrigens: Wir retten nicht nur Rehkitze, sondern auch Feldhasen und Bodenbrüter.
Wer kann euch unterstützen?
Wir freuen uns über jede helfende Hand – und über Spenden. Man sollte allerdings früh aufstehen können, trittsicher und ein bisschen sportlich sein. Wenn die Kitze älter sind, wird es manchmal zur echten Verfolgungsjagd durch hohes, nasses Gras, bergauf und bergab. Wichtig ist auch: Alle Helfer handeln auf eigene Gefahr.
Entstehen für Landwirte oder Jäger Kosten?
Nein. Unser Einsatz ist komplett ehrenamtlich. Weder Landwirte noch Jäger zahlen etwas. Die Technik, Versicherungen und das Equipment finanzieren wir ausschließlich über Spenden.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Mehr Bewusstsein, mehr Zusammenarbeit und mehr Menschen, die hinschauen statt wegzusehen. Moderne Technik und verantwortungsvolles Handeln können so viel Leid verhindern. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir jedes Jahr unzählige Tierleben retten.
Danke für deinen Einsatz, Marion!
Danke euch – für jedes gerettete Leben lohnt sich jede frühe Stunde.
FREIWILLIGE GESUCHT FÜR DIE KITZRETTUNG
Kontakt
Marion Rozanczyk
Telefon / SMS / WhatsApp 0163 923 10 14
E-Mail: Kitzrettung.Blaues.Land@gmail.com
SPENDENKONTO:
Tierschutzverein des Landkreises Garmisch-Partenkirchen e.V.
Verwendungszweck:„KITZRETTUNG BLAUES LAND“
Sparkasse Oberland
IBAN DE66 7035 1030 0000 0460 03
BIC BYLADEM1WHM
copyright Fotos: Marion Rozanczyc