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Punkt, Linie, Fläche.

im Schloßmuseum Murnau


Punkt, Linie, Fläche.
Die Kinderzeichnung und der Expressionismus
Eine Ausstellung im Schloßmuseum Murnau
29. Juli bis 7. November 2021

Das Schloßmuseum Murnau widmet sich im Sommer 2021 einem Thema, mit dem sich bereits Wassily Kandinsky, Paul Klee, Pablo Picasso, Asger Jorn und weitere bedeutende Künstler der Klassischen Moderne intensiv auseinandersetzten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren über die Kreativität von Kindern zahlreiche Publikationen erschienen und es gab einige Ausstellungen zu dieser Thematik. Bereits seit den 1880er-Jahren hatte sich Alfred Lichtwark, erster Direktor der Hamburger Kunsthalle, mit dem Kunstunterricht in Schulen beschäftigt. Zusammen mit dem Pädagogen Carl Götze zeigte er 1898 in der Kunsthalle die Ausstellung „Das Kind als Künstler“. 1922 erschien Gustav Hartlaubs Buch „Der Genius im Kinde. Zeichnungen und Malversuche begabter Kinder“, das auf die Vorbereitungen zur gleichnamigen Ausstellung in der Mannheimer Städtischen Kunsthalle im Frühjahr 1921 zurückging.

Die vermehrte Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung des Kindes erregte früh die Aufmerksamkeit in Künstlerkreisen. Wassily Kandinsky war einer der ersten Künstler,
der erfasste, welche Bedeutung die Adaption von Wesen und Wirkung der
Kinderzeichnung für die Kunstentwicklung haben könnte. Das kindliche Universum, die Parallelität von Fantasiewelt und Realität, die Spontaneität und nicht zuletzt die
Unbeschwertheit im Umgang mit Größenverhältnissen und Gesetzen der Schwerkraft sowie das hohe Abstraktionsvermögen, das schon der Schriftsteller Charles Baudelaire bewundert hatte, gaben der expressiven Malerei damals wie heute Impulse.

Nicht zuletzt führt uns die Auseinandersetzung mit der Kinderzeichnung in einen
„Zustand der Kindheit“, an dem Künstler festhalten sollten, da er Lebendigkeit und Frische verspricht. Das empfahl im 19. Jahrhundert etwa der britische Maler und Kunsthistoriker John Ruskin.

Die schicksalhafte Bedeutung naiv-kraftvoller Ausdrucksmittel für den niederländischen
Maler Constant und die Gruppe Cobra steht in der Ausstellung ebenso im Mittelpunkt,
wie es auch um die lebenslangen Auseinandersetzungen und ambivalenten Positionierungen
von Paul Klee geht. Arbeiten von Arnulf Rainer und A. R. Penck dokumentieren die Wege
und Methoden der nachfolgenden Generation.

Der Titel der Ausstellung lehnt sich an Wassily Kandinskys Titel seiner berühmten theoretischen Schrift „Punkt und Linie zu Fläche“ an. Die 1926 als Band 9 in der Bauhaus-Bücherreihe erschienene Publikation bildete die Grundlage seines Bauhaus-Unterrichts als Pädagoge.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Pia Dornacher, Isabelle Jansen,
Hannah Monyer, Jacopo Galimberti und Heribert Riesenhuber.

Die Ausstellung im Schloßmuseum Murnau findet im Rahmen der Ausstellungsreihe „Avantgarde in Farbe. Blauer Reiter, Brücke, Expressionismus” der MuSeenLandschaft Expressionismus statt, die auch ins Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See, ins Franz Marc Museum in Kochel am See, ins Museum Penzberg – Sammlung Campendonk und ins Lenbachhaus in München führen wird (www.museenlandschaft-expressionismus.de).


Bildnachweis: Paul Klee, Tiergarten, 1924, 273, Aquarell und Bleistift auf Briefpapier, auf Karton, Kunst- und Museumsverein im Von der Heydt-Museum Wuppertal, Inv. KMV 1992/11

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